Vorfahrt für Jesberg e.V. (VoJes)

 

10 verschiedene Alternativen zum privaten Auto 

Am 10.01.2016 haben 13 Bürger und Gewerbetreibende der Gemeinde Jesberg in Nordhessen im Beisein weiterer interessierter Bürger den bundesweit ersten Verein zur Schaffung eines umfassenden multimodalen Mobilitätsangebots „Vorfahrt für Jesberg e.V.“ (VoJes) gegründet. Mit (E-) CarSharing, Pedelec- und E-Lastenrad- sowie Anhängerverleih, Mitfahrangebote über Taxi- und Privat-PKW-Fahrgemeinschaften, Mitfahrbänke an den Ortsausgängen sowie einem Mitbringdienst für Einkäufe aus der nächsten Stadt soll den Bürgern und Flüchtlingen ein gutes Leben im Dorf mit weniger eigenen Autos ermöglicht werden.

Die beiden Vorsitzenden Daniela Möller und Michael Schramek freuen sich, dass es nach nur sechs Monaten Vorbereitungs- und Überzeugungsarbeit gelungen ist, so viele Mitstreiter für den Verein zu gewinnen. Beiden ist bewusst, dass er trotzdem kein Selbstläufer werden wird. „Die eigentliche Arbeit liegt noch vor uns. Aber wir sind überzeugt davon, dass die Mischung der verschiedenen Mobilitätsoptionen den Erfolg ausmachen wird.  Nur CarSharing oder nur Fahrgemeinschaften reichen nicht aus, um das Mobilitätsverhalten nachhaltig zu verändern.“ Auch Bürgermeister Günter Schlemmer, ebenfalls Gründungsmitglied, ist begeistert. „Die neuen Mobilitätsangebote werden ein wichtiger Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität und damit auch für die langfristige Perspektive des Dorfes sein.“ Über Daniela Möller und die Schatzmeisterin Andrea Heinke wird eine enge Verbindung des Mobilitätsvereins mit dem bereits erfolgreich laufenden Nachbarschaftsnetzwerk sichergestellt. Dort werden beispielsweise Fahrdienste für Einkäufe oder Arzttermine organisiert, zukünftig stehen dafür die auch die VoJes-CarSharing-Fahrzeuge zur Verfügung. Der Vorstand der Raiffeisenbank Borken e.G. sowie der Geschäftsführer des örtlichen EDEKA, Oliver Weissing, wirken als Beisitzer im Verein mit.

Die seit vier Wochen in Jesberg lebenden Flüchtlinge,  zwölf überwiegend junge Männer aus Pakistan, können sich von Anfang an mit ehrenamtlichem Engagement einbringen.  Der 24-jährige Zahid Khan, der als Beisitzer in den erweiterten Vorstand gewählt wurde, ist überzeugt davon, dass damit die Integration in die Dorfgemeinschaft schneller gelingen wird: „For our group, it will be a great chance. We will improve the good contacts with the population of Jesberg. And we are more flexible, because we can use the electric bikes to go to the next railway station or city. “ Auch wenn Zahid Khan noch keine Arbeitsgenehmigung hat, möchte er sich aktiv einbringen, sich nützlich machen und Menschen aus der Region begegnen.

Der ÖPNV verkehrt wie fast überall auf dem Land nur sehr selten, und in Ferienzeiten sowie an den Wochenenden fast gar nicht. Das stellt nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für wirtschaftlich schwächer gestellte sowie junge und alte Menschen ohne Auto eine große Einschränkung dar.  Aber auch für  Familien mit Kindern/Jugendlichen ist  Mobilität oftmals nicht nur eine logistische Herausforderung  sondern auch eine sehr kostenintensive Angelegenheit, wenn es darum geht den Kindern und Jugendlichen die Teilnahme an Vereins- und Freizeitaktivitäten mit Schulfreunden zu ermöglichen und die weiten Wege zu Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen zu bewältigen.

Vor knapp einem Jahr hatte Michael Schramek, wohnhaft seit 20 Jahren in Jesberg und Geschäftsführer des Mobilitätsberatungsunternehmens EcoLibro GmbH sowie Vorstand vom „Netzwerk intelligente Mobilität e.V. (NiMo)“, eine Bürgerbefragung zum Thema Mobilität durchgeführt. Diese zeigte ein hohes Potenzial für CarSharing und (Elektro-)Fahrräder. Jetzt arbeitet er bereits mit einem überregional und interdisziplinär zusammengesetzten Team an einem Gesamtansatz, in dem die Flüchtlinge nicht als Problem betrachtet, sondern als Chance für den ländlichen Raum eingebunden werden. Dabei geht es nicht nur um Mobilität, sondern auch um die Stärkung lokaler Strukturen insgesamt.

Interessierte, die weitere Informationen wünschen oder den Verein unterstützen wollen, können sich gerne an die Vorsitzenden wenden: michael.schramek@vorfahrt-fuer-jesberg.de oder daniela.moeller@vorfahrt-fuer-jesberg.de. Außerdem finden Sie unter www.vorfahrt-fuer-jesberg.de weitere Informationen. Und wenn Sie sich als Fahrradmonteur im Ruhestand oder neben dem eigenen Job in der Freizeit in der handwerklichen Anleitung der ehrenamtlichen Helfer engagieren möchten, würde sich der Vorstand sehr über Ihre Kontaktaufnahme freuen.